Du liebst einen Menschen, der mit Borderline, ADHS, Depression, PTBS oder einer anderen psychischen Erkrankung kämpft – und manchmal weißt du einfach nicht mehr, wie du helfen sollst.
Zwischen Verständnis, Überforderung, Hilflosigkeit und Wut ist oft nur ein Millimeter.
Dieses Toolkit ist für dich.
Damit du besser verstehst, was in deinem Lieblingsmenschen passiert.
Damit du weißt, was du in akuten Momenten tun kannst.
Damit du dich selbst nicht verlierst, während du für andere da bist.
Was Angehörige so selten hören: Deine Überforderung ist normal.
Wenn jemand psychisch leidet, dreht sich plötzlich alles um diese Person.
Termine, Krisen, Klinik, Diagnosen, Erklärungen. Und du?
Du machst dir Sorgen.
Du reißt dir ein Bein aus.
Du schluckst deine eigenen Gefühle runter, weil “es dem anderen ja viel schlechter geht”.
Die Wahrheit ist:
Auch du brauchst Unterstützung.
Nicht, weil du schwach bist – sondern weil es unmenschlich ist, all das allein zu tragen.
Dieses Toolkit ersetzt keine Therapie, aber es gibt dir Orientierung, Sprache und konkrete Tools an die Hand.
Kurz erklärt – was im Inneren deines Lieblingsmenschen passiert
Ich halte es bewusst einfach, ohne Fachchinesisch.
Borderline – Gefühle ohne Haut
Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsanteilen erleben Emotionen oft:
-extremer (0 oder 300 %, selten dazwischen)
-schneller wechselnd (heute Nähe, morgen Rückzug)
-existentieller (Streit fühlt sich an wie Verlassenwerden fürs Leben)
Das führt zu:
-intensiven Stimmungsschwankungen
-Angst vor dem Alleinsein / Verlassenwerden
-Selbstzweifeln (“Ich bin falsch, zu viel, nicht liebenswert”)
-manchmal selbstverletzendem Verhalten oder Suizidgedanken
Wichtig: Es ist kein “Drama machen”. Es ist ein Nervensystem, das im Dauer-Alarmmodus hängt.
ADHS – ein Gehirn ohne Pause-Taste
Bei ADHS (auch im Erwachsenenalter) ist das Gehirn oft:
-reizüberflutet, schwer zu fokussieren
-schnell gelangweilt, schnell überfordert
-emotional impulsiv (“Ich reagiere, bevor ich denken kann”)
Das führt zu:
-chaotischem Alltag (Vergessen, Unordnung, Zeitprobleme)
-Gefühlen von “Ich bin zu viel / zu wenig / nicht normal”
-häufigen Missverständnissen in Beziehungen
Wichtig:
Es ist keine Faulheit. Es ist eine andere Art, wie das Gehirn Reize verarbeitet.
Andere psychische Erkrankungen – Depression, PTBS, Angst & Co.
Viele Betroffene haben Mischbilder:
Depression: Rückzug, Antriebslosigkeit, innere Leere
PTBS: Flashbacks, Trigger, extremes Sicherheitsbedürfnis
Angststörungen: Grübelschleifen, Katastrophendenken, Vermeidung
Du musst keine Diagnosen auswendig können.
Wichtiger ist, dass du verstehst:
Dein Lieblingsmensch macht das nicht, um dich zu verletzen.
Er oder sie kämpft – auch dann, wenn es nach außen wie “keinen Bock haben” aussieht.
7 Soforthilfen für Angehörige in schwierigen Momenten
Diese 7 Punkte sind dein Notfallkoffer für emotionale Ausnahmesituationen.
Such dir die Tools raus, die zu dir und euch passen.
-Atmen, bevor du antwortest
In Krisen passiert oft das:
Dein Gegenüber ist emotional auf 300 %.
Du wirst mit reingezogen.
Zwei Nervensysteme im Alarmmodus = Eskalation.
Dein erster Skill:
-Stopp – sag dir innerlich “Pause”.
-3 tiefe Atemzüge – ganz bewusst.
-Antwort verzögern – ein, zwei Sekunden, bevor du etwas sagst.
Beispielsatz für dich:
-“Ich merke, dass mich das gerade sehr bewegt. Ich atme einmal durch und dann antworte ich dir.”
-Du musst nicht perfekt reagieren. Aber jede Mikro-Pause kann eine Eskalation verhindern.
-Benenne das Gefühl – nicht das Verhalten
Kritik am Verhalten fühlt sich für viele Betroffene an wie ein Angriff auf ihre ganze Person.
Statt:
“Du übertreibst wieder völlig.”
“Du bist schon wieder so dramatisch.”
Lieber:
“Ich sehe, dass es dir gerade richtig schlecht geht.”
“Ich spüre, wie verletzt und wütend du bist.”
Du musst es nicht lösen.
Gesehen werden ist oft schon die erste Entspannung fürs Nervensystem.
Klarheit statt Rätselraten – (liebevolle) Grenzen setzen
Angehörige pendeln oft zwischen:
alles mit sich machen lassen und irgendwann explodieren.
Gesunde Grenze bedeutet:
Ich bin da. Aber ich verliere mich nicht komplett.
Sätze, die helfen:
“Ich will für dich da sein – und gleichzeitig brauche ich später eine Stunde für mich.”
“Ich kann dir heute noch 20 Minuten zuhören, dann muss ich mich ausruhen.”
“Ich bin nicht weg, wenn ich eine Pause mache – ich kümmere mich dann um mich.”
Grenzen sind keine Strafe.
Grenzen sind die Voraussetzung dafür, dass du langfristig bleiben kannst.
Gemeinsam ein “Krisenprotokoll” bauen
Setz dich in einem ruhigen Moment mit deinem Lieblingsmenschen hin und klärt:
Woran erkennst du, dass es kritisch wird? (z. B. Rückzug, heftige Nachrichten, Selbstabwertung, Anspannung)
Was hilft in akuten Momenten?
kurze Nachrichten (“Ich bin da”), beruhigende Sätze, Spaziergang, Musik
Was hilft nicht?
lange Diskussionen, Drohungen, Ultimaten
Schreib das zusammen auf – als kleines “Krisenprotokoll”.
Das gibt euch Orientierung, wenn alles brennt.
Nimm Suizidgedanken immer ernst – aber trag sie nicht allein
Wenn jemand sagt:
“Ich will nicht mehr.”
“Es wäre besser, wenn ich nicht da wäre.”
“Ich halte das nicht mehr aus.”
Dann:
Nimm es ernst. Nicht relativieren.
Frag nach:
“Hast du konkrete Gedanken oder einen Plan?”
Mach klar:
“Du bist mir wichtig. Ich möchte, dass du lebst.”
Hol dir Hilfe dazu:
Krisendienste, Notaufnahme, Hausarzt / Ärztin, Therapeut:in, ggf. Notruf – je nach Situation und Land.
Wichtig:
Du bist nicht verantwortlich für jede Entscheidung dieses Menschen.
Aber du bist verantwortlich dafür, Signale nicht zu ignorieren und Hilfe zu holen, wenn es kritisch wird.
Erspar dir den “Therapeuten-Modus”
Du bist nicht:
-Psychiater:in
-Therapeut:in
-Klinik
Du bist Angehörige:r, Partner:in, Freund:in.
Das heißt:
Du darfst überfordert sein.
Du darfst keine Lösungen wissen.
Du darfst sagen:
“Ich liebe dich. Und ich bin mit deiner Krankheit überfordert. Lass uns gemeinsam schauen, welche professionelle Hilfe du bekommen kannst.”
Deine Aufgabe ist nicht, der Ersatz für ein komplettes Hilfesystem zu sein.
Du darfst gut für dich sorgen – ohne schlechtes Gewissen
Selbstfürsorge ist kein Verrat.
Fragen, die du dir regelmäßig stellen darfst:
Habe ich in dieser Woche etwas nur für mich getan?
Schlafe ich halbwegs? Esse ich halbwegs?
Mit wem kann ich offen über meine Situation sprechen?
Mögliche Schritte:
Eigene Therapie / Coaching für Angehörige
Austausch mit anderen Betroffenen (Selbsthilfegruppe für Angehörige)
kleine, feste Oasen im Alltag: Spaziergang, Musik, Freunde, Sport, kreative Auszeiten
Merksatz:
Du bist nicht egoistisch, wenn du auf dich achtest.
Du bist egoistisch, wenn du dich komplett verbrennst und dann niemandem mehr helfen kannst – auch nicht dir selbst.
Wann Coaching für Angehörige sinnvoll ist
Es gibt Situationen, in denen du merkst:
-Deine eigenen Grenzen verschwimmen.
-Du kannst kaum noch abschalten.
-Deine Gedanken kreisen nur noch um die kranke Person.
-Du fühlst dich schuldig, wenn du mal einen schönen Moment hast.
Dann kann Coaching für dich als Angehörige:r sinnvoll sein, zum Beispiel um:
-deinen eigenen Selbstwert zu stabilisieren
-klare Grenzen zu definieren
-Kommunikation in Konflikten zu verbessern
-deinen Alltag wieder mehr nach deinen Bedürfnissen auszurichten
-Auf borderallein.de biete ich Coaching für Betroffene und Angehörige an.
Gemeinsam schauen wir, wie du stabil bleiben kannst, ohne deine Empathie zu verlieren.
Wenn du das hier liest, dann bist du schon mitten drin im Versuch, es besser zu machen – für dich und für den Menschen, den du liebst.
Du musst das nicht allein stemmen.
Schau dich in Ruhe auf borderallein.de um, hör in den Podcast rein, nutze dieses Toolkit – und wenn du merkst, dass du Begleitung brauchst, melde dich.
Ein Schritt nach dem anderen reicht.
Du bekommst ein klares Bild davon, was hinter den Symptomen steckt – und was nicht. Weg von Halbwissen und Schuldgefühlen, hin zu Verständnis, das dich handlungsfähig macht.
Du lernst, welche Rolle du übernehmen kannst – und welche dich kaputt macht. Wir sortieren Verantwortung neu, damit du nicht länger „Therapeut:in, Retter:in und Blitzableiter“ in einer Person bist.
Grenzen sind kein Angriff – sie sind Stabilität. Du lernst, klare Grenzen zu formulieren, ohne Öl ins Feuer zu gießen, und wie du konsequent bleibst, ohne hart zu werden.
Du bekommst konkrete Sätze, Tools und Gesprächsstrukturen, die Konflikte runterfahren. Weniger Recht-haben-Wollen, mehr Wirkung: ruhig, klar, führend.
Wenn es kippt, brauchst du keinen Streit – du brauchst einen Plan. Wir entwickeln eine Krisenstrategie: Warnsignale erkennen, richtig reagieren, Eskalationen abbremsen, Sicherheit erhöhen.
Du lernst, wie Nervensysteme sich gegenseitig beeinflussen – und wie du Stabilität ausstrahlst, statt dich mit hochziehen zu lassen. Für mehr Ruhe im Alltag und weniger Daueranspannung.
Angehörige dürfen wütend sein. Müde. Überfordert. Wir schaffen Ordnung in deine Emotionen, damit du nicht aus schlechtem Gewissen funktionierst, sondern aus Klarheit handelst.
Dein Leben zählt genauso. Wir bauen Routinen, Schutzfaktoren und mentale Stabilität auf – damit du unterstützen kannst, ohne auszubrennen oder dich selbst zu verlieren.
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