Border Allein Akademie • Verstehen
Warum du Nähe willst – und sie plötzlich nicht mehr aushältst. Und wieso beides oft der gleiche Wunsch ist: Sicherheit.
Klammern und Rückzug wirken wie Gegensätze. In Wahrheit sind sie oft zwei Varianten derselben Strategie: Bindung sichern, wenn sich etwas unsicher anfühlt.
Klammern ist ein „Hin zu“. Rückzug ist ein „Weg von“. Beides hat das gleiche Ziel: den inneren Druck zu reduzieren.
Wenn dein System Distanz als Gefahr liest, sucht es Nähe. Sofort. Bestätigung. Kontakt. Nicht aus Schwäche – sondern weil Nähe beruhigt.
Typisch: viele Nachrichten, Gesprächsdrang, Erklären, „Sag mir, dass alles okay ist.“
Wenn Nähe gleichzeitig Druck auslöst (z.B. Angst vor Ablehnung, Scham, Überflutung), geht dein System auf Abstand, um nicht zu explodieren.
Typisch: „Ich will meine Ruhe“, kalt wirken, nicht antworten, innerlich abschalten.
Klammern = „Bitte bleib.“ Rückzug = „Bitte hör auf, es tut zu weh.“
Wenn Nähe beruhigt, aber auch Angst macht, entsteht ein Pendel: du suchst Nähe – sie wird zu viel – du gehst weg – Distanz triggert wieder – du kommst zurück.
Beim anderen entsteht oft Verwirrung: „Was willst du jetzt eigentlich?“ Deshalb braucht es Übersetzung: nicht Forderung, sondern Erklärung deines Zustands.
„Ich bin gerade nicht in der Situation – ich bin im Alarm.“
Statt klammern oder verschwinden: eine klare Mini-Bitte.
Mini-Rituale (kurzes Zeichen, feste Zeiten) stabilisieren, ohne zu kontrollieren.
„Ich merke Verlustangst. Ein kurzes Zeichen hilft mir gerade, runterzufahren.“
„Ich bin gerade überflutet. Ich brauche 20 Minuten, dann komme ich wieder in Kontakt.“
Stabil wird es nicht durch „mehr Kontrolle“, sondern durch mehr Sicherheit im System – innen und in Beziehung.