Border Allein Akademie • Verstehen
Warum dein System Komplexität reduziert – und weshalb „ganz oder gar nicht“ oft ein Schutz ist, nicht dein Charakter.
Splitting ist selten „Drama“. Splitting ist oft ein innerer Versuch, schnell wieder Sicherheit zu finden. Wenn dein System Alarm spürt, wird Komplexität zur Überforderung – und dann wird die Welt schwarz-weiß.
Für viele Menschen ist eine Person „gemischt“: gute Seiten und nervige Seiten gleichzeitig. Im Alarm kann dein System das nicht halten. Dann wird es entweder „ganz gut“ oder „ganz schlecht“.
Splitting bedeutet: Dein Gehirn teilt Erfahrungen in Extreme ein, weil Extremes einfacher zu verarbeiten ist als Unsicherheit. Es ist kein bewusster Plan – es ist ein Schutzmechanismus.
Wenn Bindung und Sicherheit historisch instabil waren, lernt dein System: „Ich muss schnell entscheiden.“ Grau ist unsicher. Schwarz oder Weiß fühlt sich kontrollierbar an.
Schwarz-Weiß ist nicht „falsch“. Schwarz-Weiß ist oft „zu viel Komplexität auf einmal“.
Typische Sätze im Kopf: „Jetzt ist es vorbei.“ • „Der/Die ist komplett gegen mich.“ • „Ich kann dem nie wieder vertrauen.“ Oder im Gegenteil: „Niemand versteht mich so wie er/sie.“
Splitting kann Nähe verstärken (Idealisierung) oder Distanz erzeugen (Abwertung). Für den anderen wirkt das sprunghaft. Für dich ist es eine Reaktion auf Alarm.
Ziel ist nicht, Extreme zu verbieten. Ziel ist, wieder Komplexität zuzulassen – Schritt für Schritt. Erste Frage: „Bin ich gerade im Alarm?“ Wenn ja: erst runterfahren, dann bewerten.
„Ich bin verletzt und es kann trotzdem Beziehung bleiben.“
Nichts endgültig entscheiden (Trennung, Blockieren, große Statements), solange Alarm aktiv ist.
Suche bewusst 10% Nuance: „Was war trotzdem okay? Was war trotzdem schwer?“
Fakt: „Er antwortet spät.“ Interpretation: „Er liebt mich nicht.“ Trenne das.
Statt Riesen-Gespräch: ein Zeichen, eine kurze Bitte, ein Mini-Kontakt.
Wenn du Splitting erkennst, hast du wieder Wahl. Unbewusst ist es eine Welle – bewusst wird es steuerbar.