Border Allein Akademie • Verstehen

Schwarz-Weiß-Denken (Splitting)

Warum dein System Komplexität reduziert – und weshalb „ganz oder gar nicht“ oft ein Schutz ist, nicht dein Charakter.

🔎 Ausführlich🧩 Verständlich🕊 Ohne Fachchinesisch❤️ Aus der Praxis

Was dich in diesem Artikel erwartet

  1. Der entscheidende Unterschied
  2. Was Splitting wirklich ist
  3. Warum dein System das macht
  4. Woran du es im Alltag erkennst
  5. Was Splitting in Beziehungen auslöst
  6. Wie du wieder „Grau“ findest
  7. 5 Mini-Übungen für den Alltag

Splitting ist selten „Drama“. Splitting ist oft ein innerer Versuch, schnell wieder Sicherheit zu finden. Wenn dein System Alarm spürt, wird Komplexität zur Überforderung – und dann wird die Welt schwarz-weiß.

Der entscheidende Unterschied

Für viele Menschen ist eine Person „gemischt“: gute Seiten und nervige Seiten gleichzeitig. Im Alarm kann dein System das nicht halten. Dann wird es entweder „ganz gut“ oder „ganz schlecht“.

Was Splitting wirklich ist

Splitting bedeutet: Dein Gehirn teilt Erfahrungen in Extreme ein, weil Extremes einfacher zu verarbeiten ist als Unsicherheit. Es ist kein bewusster Plan – es ist ein Schutzmechanismus.

Warum dein System das macht

Wenn Bindung und Sicherheit historisch instabil waren, lernt dein System: „Ich muss schnell entscheiden.“ Grau ist unsicher. Schwarz oder Weiß fühlt sich kontrollierbar an.

Merksatz

Schwarz-Weiß ist nicht „falsch“. Schwarz-Weiß ist oft „zu viel Komplexität auf einmal“.

Woran du es im Alltag erkennst

Typische Sätze im Kopf: „Jetzt ist es vorbei.“ • „Der/Die ist komplett gegen mich.“ • „Ich kann dem nie wieder vertrauen.“ Oder im Gegenteil: „Niemand versteht mich so wie er/sie.“

Was Splitting in Beziehungen auslöst

Splitting kann Nähe verstärken (Idealisierung) oder Distanz erzeugen (Abwertung). Für den anderen wirkt das sprunghaft. Für dich ist es eine Reaktion auf Alarm.

Wie du wieder „Grau“ findest

Ziel ist nicht, Extreme zu verbieten. Ziel ist, wieder Komplexität zuzulassen – Schritt für Schritt. Erste Frage: „Bin ich gerade im Alarm?“ Wenn ja: erst runterfahren, dann bewerten.

5 Mini-Übungen für den Alltag

1) Zwei-Wahrheiten-Satz

„Ich bin verletzt und es kann trotzdem Beziehung bleiben.“

2) 24h-Regel

Nichts endgültig entscheiden (Trennung, Blockieren, große Statements), solange Alarm aktiv ist.

3) 10% Grau

Suche bewusst 10% Nuance: „Was war trotzdem okay? Was war trotzdem schwer?“

4) Fakten vs. Interpretation

Fakt: „Er antwortet spät.“ Interpretation: „Er liebt mich nicht.“ Trenne das.

5) Mini-Bindung statt großer Klärung

Statt Riesen-Gespräch: ein Zeichen, eine kurze Bitte, ein Mini-Kontakt.

Kernidee

Wenn du Splitting erkennst, hast du wieder Wahl. Unbewusst ist es eine Welle – bewusst wird es steuerbar.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Diagnose oder Psychotherapie. Er dient der Orientierung und Psychoedukation.

↑ Nach oben