Border Allein Akademie • Verstehen
Warum Leere kein „Defekt“ ist – sondern oft ein Schutzmechanismus. Und weshalb du dich manchmal wie abgeschnitten fühlst, obwohl in dir eigentlich so viel passiert.
Leere ist selten „nichts“. Leere ist oft: zu viel – und dein System reduziert, um dich zu schützen.
Viele denken, Leere bedeutet Gefühllosigkeit. Aber in der Praxis ist es oft das Gegenteil: Dein System war überfordert – und hat die Lautstärke runtergedreht.
Nicht, weil du „kaputt“ bist. Sondern weil dein Nervensystem gelernt hat: „Wenn es zu viel wird, muss ich abschalten.“
Innere Leere ist ein Zustand, in dem du dich innerlich nicht verbunden fühlst – weder mit dir noch mit der Welt.
Manche beschreiben es als: „Ich bin da, aber nicht da.“ „Ich fühle nichts.“ „Ich bin wie hinter Glas.“ „Ich bin leer, aber gleichzeitig angespannt.“
Wichtig: Das ist nicht Einbildung. Es ist ein Zustand deines Nervensystems.
Leere ist oft ein Schutz – nicht ein Defekt.
Wenn Gefühle zu intensiv, zu häufig oder zu unberechenbar waren, lernt dein System eine harte Strategie: dämpfen, trennen, abschalten.
In vielen Fällen ist Leere deshalb ein „Bremsmodus“: Dein Körper reduziert Empfindung, um Überflutung zu verhindern.
Das ist vergleichbar mit: Wenn ein Smartphone überhitzt, reduziert es Leistung. Nicht, weil es kaputt ist – sondern weil es sich schützt.
Leere ist nicht immer gleich. Häufige Varianten:
Du fühlst wenig – aber du bist nicht ruhig. Eher wie „abgeschaltet und nervös“ zugleich.
In dir ist „nichts“, aber gleichzeitig Druck im Brustkorb oder Bauch. Das ist oft unterdrückte Aktivierung.
Du funktionierst, aber alles wirkt bedeutungslos. Dinge, die sonst Spaß gemacht haben, fühlen sich stumpf an.
Du bist mit Menschen, aber fühlst dich innerlich allein. Nicht, weil sie „falsch“ sind – sondern weil dein System auf Distanz geht.
Leere kommt häufig nach intensiven Phasen:
Streit • Trigger • Konflikte • Nähe & dann Distanz • Überforderung • zu viele Entscheidungen • Schlafmangel • zu viel Input
Besonders oft passiert es: nach emotionaler Überflutung. Dein System „macht zu“ – um dich zu stabilisieren.
Viele Betroffene denken: „Dann bin ich eben kaputt.“ Oder: „Dann ist mir alles egal.“
Aber Leere bedeutet nicht: egal. Leere bedeutet oft: zu viel.
Es ist ein Zeichen, dass dein System regulieren will – nur eben auf eine harte Art.
Leere ist häufig ein Übergangszustand zwischen „Überflutet“ und „wieder verbunden“.
Ziel ist nicht, Leere „wegzudrücken“. Ziel ist, wieder Kontakt herzustellen: zum Körper, zur Realität, zu dir.
Wenn Leere da ist, suchst du oft nach dem großen Gefühl. Das überfordert. Besser: kleine, echte Signale. Wärme, Wasser, Bewegung, Musik, Dusche, frische Luft.
Frage dich nicht: „Was stimmt nicht mit mir?“ Sondern: „Wovor schützt mich das gerade?“
Leere ist oft verbunden mit innerer Fragmentierung. Eine kleine abgeschlossene Handlung (Bett machen, Müll raus, 5 Minuten Ordnung) kann dein System überraschend stabilisieren.
Wenn du jemanden hast: nicht erklären, nicht analysieren, nicht kämpfen. Einfach da sein – und eine kleine Verbindung zulassen. „Kannst du kurz bei mir sein?“ reicht.
Wann kommt sie? Nach was? Schreib 3 typische Vorläufer auf (z.B. Streit, Schlafmangel, Distanz).
2 Minuten: Füße spüren, Hände reiben, warmes Getränk, Atem zählen. Nicht meditieren. Nur verbinden.
Jeden Tag eine Mini-Sache zu Ende bringen. Dein System lernt: „Ich kann wieder wirken.“
Schreib einen Satz auf: „Leere bedeutet nicht, dass ich kaputt bin. Leere bedeutet, dass mein System schützt.“ Das ist Reframing – aber es wirkt.
Leere ist oft ein Schutzmodus. Wenn du lernst, sie zu lesen statt zu bekämpfen, entsteht wieder Kontakt – Schritt für Schritt.