Viele Menschen reagieren auf Kritik deutlich stärker, als sie selbst verstehen. Das liegt nicht an mangelnder Stärke, sondern daran, dass dein Gehirn Kritik unbewusst als mögliches Zeichen von Ablehnung bewertet. Noch bevor du darüber nachdenken kannst, aktiviert dein Nervensystem Stress, Scham oder Wut.
Ein Satz. Eine Bemerkung. Ein Tonfall. Und plötzlich fühlt es sich nicht wie Feedback an – sondern wie Zurückweisung.
Vielleicht wirst du sofort wütend. Oder ziehst dich zurück. Vielleicht verteidigst du dich – oder brichst innerlich zusammen.
Wichtig: Du reagierst nicht „zu sensibel“. Dein System reagiert auf etwas, das es als Gefahr erkennt.
Für dein Gehirn ist soziale Bindung Sicherheit. Wenn Kritik kommt, prüft dein System unbewusst: „Bin ich noch akzeptiert – oder verliere ich gerade Verbindung?“
Diese Bewertung läuft schneller als dein Verstand. Deshalb fühlt sich Kritik manchmal existenziell an – selbst wenn sie sachlich gemeint war.
Wut wirkt oft dominant. Doch darunter liegt häufig Scham. Scham sagt: „Mit mir stimmt etwas nicht.“
Wenn du mehrere Punkte innerlich mit „Ja“ beantwortest, reagiert nicht dein Charakter – sondern dein Bindungssystem.
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Kritik trifft besonders stark, wenn:
Dein System hat gelernt: „Kritik = Gefahr.“ Und reagiert entsprechend intensiv.
Das Problem ist nicht deine Reaktion. Das Problem ist, dass der Ablauf automatisch ist.
Du brauchst kein „positives Denken“. Du brauchst Unterbrechung.
Der wichtigste Satz, den du trainieren kannst:
Wenn du diesen Unterschied verinnerlichst, verliert Kritik ihre existenzielle Bedrohung.
Dann brauchst du Struktur – nicht Härte gegen dich selbst. Es geht nicht darum, „dickeres Fell“ zu bekommen. Es geht darum, dein System neu zu trainieren.
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Warum trifft mich Kritik so persönlich?
Weil dein Nervensystem Kritik mit möglichem Bindungsverlust verknüpft.
Ist das ein Zeichen von Schwäche?
Nein. Es ist ein Zeichen eines sensiblen Alarmsystems.
Kann ich lernen, gelassener zu reagieren?
Ja. Durch bewusste Unterbrechung und Training von Regulation.